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Der bisher früheste Namensträger

ist :

Johannes Plocher / Blocher / Blochar, geboren um 1430, von Holzhausen bei Sulz

 

 

Vermutlich war er um 1442 Schüler um 1435 gegründeten Lateinschule in Sulz am Neckar.

Am 03.Juli 1446 wurde er als Student in den Matrikeln der Universität Ruperto-Carola zu Heidelberg erstmals als "Johannes Plocher" genannt, ebenso am 20.03.1449.

Im März 1455 wured er als Magister der Universität "Johannes Blocher de Holczhusen" genannt. Am 20.12.1455 wurde er zum Dekan der Artistenfakultät gewählt.

1456 wurde er als Lehrer an der Artistenfakultät genannt (artisten = etwa heute dem studium generale vergleichbar - daneben gab es damals in Heidelberg damals nur noch das Studium der Theologie).

1460 wird erwähnt, dass er als Lehrer der Artistenfakultät (collegiatus) auch Vorlesungen an der theologischen Fakultät hielt.

1460 lehrte er als Magister an der Universität zu Basel/Schweiz - wohl nur für ein Semester.

1461 wurde er zum Rektor der Universität Heidelberg gewählt. In dieser Eigenschaft beriet und vertrat er als Diplomat die Kurpfalz. Am 08.08.1461 sprach er bei dem Kurfürsten der Pfalz Friedrich I. vor und holte sich Weisungen für diplomatische Verhandlungen mit dem Erzbischof von Mainz ein.

Das Rektorat wechselte damals nach der Satzung der Universität mit jedem Semester. Sein weiteres Leben ab 1462 ist nicht bekannt.

Johannes Plocher / Blocher hat am Aufbau der ältesten und berühmtesten deutschen Bibliothek mitgewirkt - der "Bibliotheka Palatina". Aus den Bücherbeständen der Universität und den Büchersammlungen des Pfalzgrafen wurde die "Palatina" 1421 durch Stiftung geschaffen und hatte ihren Standort ab 1621 in der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg. Seither ihrer Gründung haben viele Gelehrte zur Mehrung der Bibliothek beigetragen. Die "Palatina" ist seit 1625 wesentlicher Teil der Bücher- und Handschriftensammlung des Vatikan in Rom und entging so den Zerstörungen der folgenden Kriege. 

Um 1550 beschloß die Universität Heidelberg eine systematische Erfassung aller Bücher, "so unter dem Rektorate des Johannes Blocher angeschafft worden" - es müssen sehr viele gewesen sein (Quelle: Regestenbuch der Universität Heidelberg). Offenbar waren bei der ersten Katalogisierung der Bibliotheksbestände im Jahre 1466 die Erwerbungen des Johannes Blocher für die Artistenfakultät nicht mit erfasst worden. Schon damals war die Universitätsbibliothek offenbar nach Fakultäten gegliedert. Teile der Palatina wurden 1989 erstmals in der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg ausgestellt.

Quellen:

1.Palatina, Katalog zur Austellung der Bibliotheka Palatina in der Heilig-Geist-Kirche

2. Matrikel der Universität Heidelberg

3. Matrikel der Universität Basel

4. Die Geschichte der Universität Heidelberg, Heidelberg 1880

5. Urkundenbuch der Universität Heidelberg, von Winkelmann,  Bd. II S. 112

6. Festschrift 600 Jahre Universität Heidelberg, Bd. IV 

7. Sulz, alte Stadt am jungen Neckar; 1984, von Dr. W.Hecht, Paul T. Müller und Peter Vosseler: darin S. 183 ff. : Die Sulzer Lateinschule, von Dieter-W. Mayer